Technikbegeisterte Engländer treffen auf Gleichgesinnte

  • Beim Besuch im Sömmerdaer Schaudepot interessierte sich Bernard Green (links) für historische Rechentechnik. Foto: privat
Das Interesse an einem elektronischen Tischrechner führte zwei technikbegeisterte Engländer nach Sömmerda. Über das Museum trafen sie hier auf Gleichgesinnte und Unterstützung.
Sömmerda. Es war der ETR 220, ein elektronischer Taschenrechner, der Bernard Green von Sharnbrook nach Sömmerda führte. Sein jüngster Besuch im April war bereits der dritte Aufenthalt hier in dieser Stadt. Diesmal konnte er dank der Hilfe von Helmut Augst und Ingolf Friedrich, zwei Ingenieuren des ehemaligen BWS, einen sehr wichtigen Stecker mitnehmen, der inzwischen im ETR in Sharnbrook verbaut ist, berichtet die Museumsmitarbeiterin Barbara Speiser.

Über das Museum kam im vergangenen Jahr der Kontakt zwischen Bernard Green und ehemaligen Ingenieuren, die in die Entwicklung und Herstellung des ETR 220 und 224 eingebunden waren, zu Stande. Barbara Speiser zur Vorgeschichte: "Zum Jahresende 2008 wandte sich Bernard Green per E-Mail an das Museum. In deutscher Sprache erzählte er, dass er 1967 in Sömmerda zu einer Schulung für den ETR 220 gewesen ist. Sein damaliger Arbeitgeber war ein Importeur für elektronische Maschinen. Gut 40 Jahre später faszinieren Mr. Green solche Maschinen immer noch. Mit gleichgesinnten Hobbybastlern, die sich in englischer Sprache auf der Internetseite www.soemtron.org präsentieren, wollte er 2008 einen ETR 220 wieder gangbar machen. Es fehlte an Schaltplänen für den Tischrechner. Ein Kontakt zum Museum nach Sömmerda bot die Gelegenheit, an einen solchen zu gelangen".

Im September vergangenen Jahres besuchten Bernard Green und sein Freund Mike Hutch Sömmerda. Das Treffen mit ehemaligen Ingenieuren des Büromaschinenwerks war über das Museum organisiert worden. "Die beiden Briten stellten sich vor, erklärten ihre Wünsche, stellten Fragen. Die Sprachbarriere war klein, denn Mr. Green kann noch sehr gut deutsch sprechen" berichtet Barbara Speiser von der ersten Zusammenkunft. Der sich ein Besuch des Schaudepots anschloss. "Dort ist ein ETR fachmännisch beschaut, von allen Seiten, von innen und außen fotografiert worden und es wurde gefachsimpelt."

Zu guter Letzt fand sich im Bestand des Heimat- und Geschichtsvereins noch ein ETR 220, der mit nach Sharnbrook reisen konnte, so Barbara Speiser. Die Freude über dieses Souvenir sei bei den Gästen aus England außerordentlich groß gewesen. Faszinierend bei diesem Besuch sei es gewesen zu erfahren, "dass Menschen in England so voller Begeisterung für die Technik aus Sömmerda sind, auf einer Website sich ausführlich präsentieren und weltweite Kontakte pflegen".

Sömmerda habe sich mit der Gründung des Museum vor fast fünf Jahren auf die Fahnen geschrieben, die in der Stadt gefertigten Rechen- und Schreibmaschinen nicht dem Vergessen preis zu geben, nachfolgenden Generationen darüber zu erzählen. Ziel dabei sei es, den Bau und die Wirkungsweise der elektrischen und elektronischen Produkte verständlich zu zeigen und ein Ausprobieren zu ermöglichen.

Im englischen Sharnbrook arbeitet man indes weiter eifrig daran, den elektronischen Tischrechner wieder flott zu bekommen und das dazugehörige Prüfgerät ist das nächste Ziel der Fan-Gemeinde, informiert Barbara Speiser. Man stehe in Sharnbrook weiterhin in Verbindung mit den hiesigen Ansprechpartnern. "Denn Sömmerda wird mit Sicherheit wieder einmal ein Reiseziel sein."


15.05.10 / TA
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